Unterwegs am Sebaldusweg

Unterwegs am Sebaldusweg

Der Sebaldusweg, unser neuer Pilgerweg im Ennstal. Eine Ge(h)schichte auf 4 Tage, 90 km und ca. 3.300 Höhenmetern. Oder man könnte auch sagen, Weitwandern und einige der vielen genialen Platzerl im Ennstal entdecken. Unterwegs sein im sanften Hügelland, über offene Wiesenflächen spazieren, dichte Wälder und eindrucksvolle Felsgebilde entdecken, das smaragdgrüne Wasser der Enns bestaunen und immer wieder das einzigartige Panorama genießen.

Etappe 1 - von Großraming nach Laussa

Ich starte meine erste Etappe in Großraming. Den ersten Teil des Weges (Menweg) kenne ich nicht. Und gleich zu Beginn, im ersten Waldabschnitt, entdecke ich auf einer kleinen Kuppe oberhalb des Weges ein Reh. Es beäugt mich zwar etwas skeptisch, aber ansonsten komplett unbeeindruckt von meiner Person, chillt es ruhig weiter. Erst als ich die Kamera zücken will, macht es sich aus dem Staub. Schade. Also weiter.

Der Pfad führt mich durch dichten, felsigen Wald, bis er mich schließlich auf einer Forststraße wieder ausspuckt. Flott geht es weiter bis zum Gschoad. Hier wäre ein sehr lohnenswerter Abstecher auf den Schieferstein und/oder Steinernen Jäger möglich. Da es auf der ersten Etappe aber ohnehin 23 km zu bewältigen gilt, spare ich mir den Schieferstein. Weiter geht’s abwärts nach Losenstein. Und hier erwartet mich das nächste Highlight des Tages. Nicht etwa die Burg, sondern eine Frau, die mir bereits entgegen eilt und mich fragt, ob ich am Sebaldusweg unterwegs bin. Und mir daraufhin Kaffee anbietet. Nicht, dass die Burg kein Highlight wäre, aber solche kleinen Gesten und Erlebnisse sind es, die mich immer wieder aufs Neue begeistern.

Etappe 2 - von Laussa nach Maria Neustift

Für mich persönlich der schönste Teil am Sebaldusweg. Die Wanderung über den gesamten Wiesenrücken des Sonnbergs ist einfach zu jeder Jahreszeit ein besonderes Highlight. Sitzgelegenheiten, sowie Panoramablicke vom Sengsengebirge bis ins Gesäuse laden bei Schönwetter zum gemütlichen Verweilen und Seele baumeln lassen ein. Und mit Glasenberg und Glasner Hütte wartet gegen Ende der Tour nochmals ein absoluter Höhepunkt, bevor man den Abstieg nach Maria Neustift in Angriff nimmt. Müsste ich nur eine Etappe empfehlen, dann wäre es wohl diese.

Etappe 3 - von Maria Neustift nach Gaflenz

Auch auf der 3. Etappe sind trotz des relativ hohen Asphaltanteils einige Höhepunkte der Umgebung in die Wegführung miteingeflossen. Wie zum Beispiel der Freithofberg, der mir schockierenderweise bis zu diesem Zeitpunkt völlig unbekannt war. Und das, obwohl Maria Neustift nur etwa 20 – 25 Minuten von Steyr entfernt liegt. Und so begab es sich, dass Freithofberg & Co zu einer meiner Lieblingsdestinationen wurden. Übrigens auch im Winter mit Schneeschuhen eine kleine aber feine Feierabendtour.

Oder nicht zu vergessen, die für ihre vielen Höhlen bekannte und gut besuchte Lindaumauer, wo angeblich ein großer Schatz verborgen sein soll. Auch hier warten bei Schönwetter einmalige Ausblicke und eine Felskulisse für durchaus spektakuläre Insta oder Facebook Posts.

Etappe 4 - von Gaflenz nach Großraming (oder Weyer)

Am Weg von Gaflenz nach Weyer hat man dann auch noch die Möglichkeit, sich am Kreuzweg von sämtlichen negativen Gedanken zu befreien. Denn der Weg ist wirklich steil. Doch die Mühen werden gut entlohnt, denn am Heiligenstein warten eine Jausenstation sowie ein Kraftplatzerl auf den müden Wanderer. Das entzückende Kirchlein St. Sebald am Heiligenstein ist auch Namensgeber des Pilgerweges. 
 
Der ursprünglich aus Franken stammende St. Sebald war vermutlich ein Bamberger Domherr, der sich später nach Nürnberg zurückzog. Wunder an seiner Grabstätte in Nürnberg führten dazu, dass dort eine Kirche errichtet und er somit zum Schutzpatron der Stadt Nürnberg wurde. Im Gaflenztal besagt die Legende, dass der heilige Sebald 15 Jahre als Einsiedler auf dem Heiligenstein gelebt hat. Und zwar als er nach einer längeren Pilgerzeit von Norditalien zurück nach Franken gewandert ist. Die Wunder, die Sebald in Nürberg vollbracht hatte, wurden später auf den Heiligenstein übertragen und so entstand auch hier die einzige Kirche in Österreich, die dem heiligen Sebald geweiht ist.
 
Für mich endete die 4. Etappe in Weyer, da ich mir den Marsch am Radweg entlang der Enns nach Großraming ersparen wollte.

Fazit und Facts - Unterwegs am Sebaldusweg

Schwierigkeit
leicht bis mittel

ca. 23 km, 900 m aufwärts, 800 m abwärts

ca. 22,5 km, 1.150 m aufwärts und 1.000 m abwärts

ca. 22 km, 850 m aufwärts, 1.000 m abwärts

ca. 22 km, 570 m aufwärts, 600 m abwärts

Höhenprofil Sebaldusweg Etappe 1
Höhenprofil Sebaldusweg Etappe 2
Höhenprofil Sebaldusweg Etappe 3

Fazit:

Eine wirklich schöne und aussichtsreiche Tour zu wunderschönen Platzerln in der Region um Steyr und im Ennstal, die man sonst vielleicht nicht besuchen würde. Sanfte Wiesenrücken und dichte Wälder laden zum Entschleunigen, Genießen und Kraft tanken ein. Ohne große Aufregung marschiert man dahin und man kann sich entspannt einfach dem Gehen widmen. Für meinen Geschmack allerdings etwas viel Asphalt.

Alternativen zu den längeren Asphaltstrecken findest du bei meiner geführten Tour “Auf Entdeckungsreise am Sebaldusweg” im Naturschauspiel Spielplan 2021. Denn dabei kannst du Etappe 1 mit dem E-Bike und den letzten Teil von Etappe 4 mit Kanu oder Stand Up Paddel zurück legen.

Und hier findest du meine persönlichen Highlights rund um den Sebaldusweg.

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